#72 - Montage eines Kiels: Fachleute am Werk!

Erster Teil der Boots-Kommissionierung einer ELAN Impression 43

Lange nichts mehr von ELAN gehört, oder? Nach der Pressemeldung der Werft, die branchenweit aber auch unter den segelnden Fans der slowenischen Marke für Aufsehen gesorgt hat, ist es ruhig geworden. Wir als deutscher Händler – und selbst große Fans der Marke – bleiben hier natürlich weiterhin für Sie dran! Allerdings gibt es dafür ELAN-News aus Bremerhaven: Denn hier haben wir unser letztes Lagerboot verkauft und machen die stolze Yacht nun für die neuen Besitzer auslieferungsklar.

Endlich aus dem Winterschlaf erweckt: ELAN Impression 43

Diese stolze Impression 43 hat bei uns eine Wintersaison auf dem Lagerbock verbracht, nachdem wir sie im letzten Jahr werftfrisch übernommen hatten. Klar, dass wir zunächst einen unserer Techniker mit der Poliermaschine um den Rumpf geschickt haben. Selbstverständlich wird diese Yacht vor Übergabe auf absoluten Höchstglanz gebracht! Was steht also an für dieses Boot? Nun, die Wunschliste unseres Kunden ist nicht sehr lang – aber dafür umso spannender. Denn neben der Kielmontage, dem eigentlichen Thema dieses Artikels, hat sich der neue Eigner noch den einen oder anderen Spezialanbau für seine neue Yacht gewünscht.

Erst einmal Polieren!

Ganz oben auf der Liste stand bei ihm die Manövrierbarkeit des Bootes. Da die ELAN eine hochmoderne Konstruktion mit Doppelrudern ist, verhält sie sich beim An- und Ablegen, was die Steuerung angeht, grundsätzlich anders, als Boote mit einem mittig im Schraubenstrom angebrachten Ruder. Vorteile und Nachteile beider Ansätze kann man leidenschaftlich diskutieren – allerdings nicht heute. Der Wunsch unseres Kunden war jedenfalls, die Manövrierfähigkeit durch den Einbau eines Heckstrahlruders zu verbessern.

Ein externes Heckstrahlruder für noch sichereres Manövrieren

Die ELAN Impression 43 ist mit ihren fast 44 Fuß Länge über alles keine kleine Yacht, sondern ein ausgewachsenes Fahrtenboot. Im Standard kommt sie daher schon mit einem Bugstrahlruder, welches strömungsoptimiert in einem Tunnel verbaut ist. Um die Fähigkeit, ein- und auszuparken, nun noch entscheidend zu verbessern, haben wir uns nach einer technischen Lösung für das heckseitig montierte Strahlruder umgeschaut. Grundsätzlich gibt es zwei Lösungen: Einfahrbare und permanent montierte Geräte. Die einfahrbaren Geräte haben den Vorteil, beim Segeln keinerlei Widerstand oder Verwirbelungen im Wasser zu bewirken. Sie benötigen allerdings einen gewissen Platz, der – wie bei unserer ELAN Impression 43 – oftmals nicht zur Verfügung steht.

Schick, kraftvoll & einfach zu montieren: Sleipner EX 95

Diese technisch zudem weitaus anspruchsvolleren Installationen (weil sie Ausfahrmechanismen haben) kamen also für den Einbau in diesem Fall nicht in Frage. Als Alternative bietet die norwegische Marke Sleipner mit dem EX 95 genau die passende Lösung: Ein kraftvolles, einfach außenbords zu montierendes Gerät, welches dank hydrodynamischem Gehäuses zudem kaum Auswirkungen auf die Segelspeed hat. Der Einbau hat durchaus seine Herausforderungen: Zu weit achtern montiert und es kann nicht genügen Druck aufgebaut werden, zu weit zum Kiel montiert, und der die Trägheit der Yacht kann nicht mehr überwunden werden, um sie in Drehung zu versetzen.

Das Heckstrahlruder von Innen: Wie Sie sehen, sehen Sie nix ...

Zudem muss auch die Montagesituation innen bedacht werden, denn obwohl der Platzbedarf des Sleipner EX 95 wesentlich geringer ist, als bei den ausfahrbaren Geräten, wird durchaus Einiges an Volumen benötigt. Nach Absprache mit dem Hersteller und genauem Aufmaß erfolgte die Installation unserer Techniker. Hier zeigte sich schnell der Vorteil dieses Systems: Es sind nur sehr wenige Rundbohrungen notwendig, anstelle ganze Vierecke aus dem Rumpf schneiden zu müssen. Dies vermindert auch die Gefahr von Wassereinbrüchen – ein Thema, das leider immer wieder aktuell wird, und zwar nicht nur an Bord von Schlagerstar-Booten.

Lithium-Power !

Ausserdem haben wir die Yacht mit einem LiFePo-Batterie-Pack mitsamt eigener Lade-Technik ausgestattet. Auch ein Thema, das nicht unterschätzt werden sollte. Die Technik muss sauber verbaut und abgesichert werden. Notabschalter und Ladestrom-Versorgung fachgerecht installiert und in den gesamten Stromlaufplan der Yacht integriert sein. Auch daher sollte eine solche vermeintlich einfache Installation grundsätzlich nicht in Eigenregie sondern von zertifizierten Fachbetrieben, wie uns, durchgeführt werden. Doch das war nur die Side-Story, denn eigentlich wollten wir in diesem Artikel ja über den Kiel sprechen …

Der große Moment: Die Kielmontage!

Für uns ist die Montage des Kiels in etwa genauso bedeutsam, wie die Hochzeit von Deck mit Rumpf in der Werft. Denn erst jetzt wird irgendwie eine „echte“ Yacht daraus! Abgesehen vom emotionalen Wert dieses Vorgangs kommt einem Kiel bei einer Segelyacht eine immense Bedeutung zu: Er ist es, der für Stabilität, Sicherheit und kenterloses Segeln sorgt. Daher ist es selbstverständlich absolut notwendig, dass sämtliche Arbeiten an diesem Bauteil auch und ausnahmslos von ausgewiesenen Bootsbau-Experten durchgeführt werden! Die Sicherheit unserer Kunden und aller Gäste an Bord ist diesen Aufwand allemal gerecht. Ganz davon abgesehen, dass wir mit Sicherheit keine entsprechende Headline im Yacht-Magazin haben möchten, wenn die Montage schief gegangen ist …

Unsere Freunde von Inselmann kommen

Zunächst musste die Impression von ihrem Lagerbock herunter und auf eine mobile Ameise gehoben werden. Hier zahlt sich unsere Standort-Wahl aus: Bremerhaven mag für viele zwar nicht unbedingt der schmuckeste Ort der Welt sein, allerdings befinden sich in unnmittelbarer Umgebung von BLUE YACHTING alle Experten und Spezialgewerke, die wir selbst nicht vorhalten. Wie beispielsweise den Travellift, den wir uns mal eben bei unseren Freunden der Firma Inselmann bestellen. Der Travellift/Kran wird später noch von entscheidender Bedeutung sein. Doch zunächst zum Kiel …

Vorbereitung des schweren Gusseisen-Kiels

Für Segelyachten gibt es alle möglichen Formen und Arten von Kielen. Während tatsächlich Blei das dichteste (als schwerste) nicht-radioaktive Element der Erde ist und sich am besten für die Verwendung im Kiel einigt, ist der Bleipreis und seine toxischen Eigenschaften als giftiges Schwermetall allerdings dafür verantwortlich, das mittlerweile fast ausschließlich Gusseisen im Serienboot-Bau eingesetzt wird. So auch beim Kiel der ELAN. Eisen? Das rostet doch sofort … mögen Sie jetzt denken. Und da haben Sie natürlich recht.

Der Kiel der Yacht wird verladen

Daher wird der Kiel noch vom Produzenten mit einigen Schichten Rostschutz-Primer und Epoxid versiegelt. Auch wenn manche Kiele an der einen oder anderen Stelle kleine Rostflecken ansetzen (die wir selbstverständlich rausschleifen und wieder neu versiegeln), hat sich Gusseisen als Kiel-Material mehr als bewährt. Es ist noch immer sehr dicht (und damit schwer), auch vergleichsweise weich (gut bei heftigen Grundberührungen oder Stein-Kollisionen) und lässt sich sehr gut in Schuss halten. Unseren Kiel haben wir mehrmals mit Hochdruck gereinigt, entrostet, entstaubt und natürlich entfettet.

Ausrichten der Yacht

Das gleiche wurde mit der Unterseite der Yacht getan, nämlich der Kiel-Flansch aus GfK des Bootes komplett gereinigt und vor allem entfettet. Wir möchten gleich eine komplette Verbindung zwischen Kielmaterial und Rumpf herstellen. Ziel ist der absolute Formschluss zwischen Kiel-Oberseite und Flansch der Yacht. Es darf hier nicht ein Tropfen Wasser eindringen – auch, wenn die Yacht später extrem krängt und die Masse des Kiels am Plastik des Rumpfes zieht.

Für eine feste Rumpf-Kiel-Verbindung: Tikal Contact 12

Viele Menschen glauben noch immer irrtümlich, dass Kiele an die Boote „angeklebt“ werden. Das stimmt so natürlich nicht. Denn der Kraftschluss von Kiel und Schiff erfolgt über die Kielbolzen. Das sind mehrere Edelstahl-Gewinde (aus ultrahochfestem Stahl!) die aus dem Eisenkiel hervorschauen. Diese werden durch akkurat platzierte Bohrungen im Rumpf gesteckt. Von innen werden breite, massive Edelstahlplatten (quasi als „Unterlegscheiben“) gegengesetzt, bevor die Kielmuttern aufgesetzt werden.

Eindichten des Kiels

Warum der Eindruck entstehen könnte, dass wir die Kiele ankleben, liegt an der Dichtmasse, die vor Anbau zwischen Kiel und Flasch kommt. Es handelt sich hierbei oftmals um Epoxid, in unserem Fall um den Tikal Special-Kontaktkleber. Auf die entfetteten Oberflächen sowie die Kielbolzen wird großzügig diese Dichtmasse aufgetragen. Später, wenn der mehrere Tonnen schwere Rumpf herabgelassen wird, presst sich dieser so hernieder, dass sich die Masse im gesamten Zwischenraum verteilt. Zwar verfügt Tikal (oder eben Epoxid) auch über verbindende, also Klebe-Eigenschaften, in diesem Fall geht es aber vorrangig um das Abdichten und dem Schutz vor dem Eindringen von Wasser. Und hier kommt nun wieder der Kran ins Spiel.

Es muss später alles dicht sein!

Denn die Yacht muss absolut eben, also horizontal waagerecht in allen Achsen auf dem Kiel platziert werden. Selbst ein viertel Grad Schräglage und ein damit schief angebauter Kiel würden später sehr unschön im Wasser aussehen: Das Boot hätte eine signifikante Schräglage. Von den eingeschränkten Segeleigenschaften ganz zu schweigen. Auch hier helfen uns die Profis von Inselmann – gekonnt setzen sie langsam das Boot ab. Perfekt! Von innen werden nun die Konterplatten – selbstverständlich auch mit Tikal versehen – eingesetzt und die Kielbolzen mit den Kielmuttern versehen. Wichtig ist hierbei, dass die Drehmoment-Vorgaben der Werft genauestens eingehalten werden. Denn auch hier gilt: Nach „knack“ kommt „ab“ …

Die nächsten Schritte bis zur Übergabe an die neuen Eigner

Es war also wieder ein spannender Tag bei BLUE YACHTING: Unsere Impression 43 hat nun endlich ihren Kiel und sieht schon viel stolzer und „kompletter“ aus, als noch vor wenigen Wochen auf dem Transportbock. In den kommenden Tagen sollte von Seldén in Frankreich der nagelneue Mast eintreffen, sodass wir die Yacht dann komplett riggen und übergabefertig machen können. Wir freuen uns sehr darauf, sie endlich im Wasser der Weser schwimmen zu sehen.

Es geht weiter bis zur Auslieferung

Wenn Sie Ihren Traum vom Segelboot wahr werden lassen wollen, lade ich Sie herzlich ein, uns in Bremerhaven zu besuchen. Wir haben eigentlich stetig spannende Projekte wie diese ELAN bei uns am Start: Gern zeigen wir Ihnen, dass wir als Ihre kompetenten Partner für den Yachtkauf genau die sind, die Ihre Blauwasser-Träume wahr werden lassen können. Sei es in GfK mit ELAN (bald), in Carbon mit HH Catamarans oder in Aluminium mit unseren Hochsee-Yachten von ALLURES und GARCIA.