#70 - „… das ist eben der Vorteil von Centerboard-Yachten!“

Interview mit einer erfahrenen ALLURES-Crew

Über die Vorteile und Besonderheiten der Aluminium-Yachten von GARCIA und ALLURES haben Sie bei uns im BLUE YACHTING-Blog wie auch auf den Unterseiten zu den einzelnen Yachten schon Vieles lesen können. Doch wie sieht das Segeln mit einer Centerboard-Yacht ganz praktisch aus? Was ist am Ende wirklich der Unterschied zwischen unseren beiden Alu-Marken? Wie es der Zufall will, segeln gerade je eine GARCIA Exploration 52 und eine ALLURES 51.9 zusammen an der amerikanischen Ostküste: Eine einmalige Gelegenheit, unsere Kunden und Eigner zu diesem Thema zu befragen!

Unsere Kunden und ALLURES-Eigner Marianne und Markus unterwegs

Die Crew der CASTELLA, einer wunderschönen und top-ausgestatteten ALLURES 51.9, hat uns in den vergangenen Tagen via Internet Rede und Antwort gestanden. In diesem Artikel wollten wir etwas «intimer» vorgehen und weniger auf die technischen Aspekte, sondern vielmehr auf das Segelgefühl und ganz praktische Erfahrungen mit den Yachten eingehen. Und nun: Markus und Marianne haben das Wort! 

Interview mit ALLURES-Eignern: Wie segelt sich eine Centerboard-Aluyacht wirklich?

Nils Schürg | BLUE YACHTING: «Lasst uns ganz grob anfangen: Wo seid Ihr gerade, da ich mit Euch spreche? Wie war Eure und CASTELLAs bisherige Route und wie lange seid Ihr schon unterwegs?»

Markus & Marianne | SY CASTELLA: «Hi Nils erstmal. Schön Dich zu sehen! Du triffst uns mit Deinem Interview hier gerade auf Nova Scotia. Unsere ALLURES hat den Winter letztes Jahr in Maryland verbracht, und zwar südlich von Annapolis. Marianne und ich sind dann im April in die aktuelle Saison gestartet. Zuerst ging es durch den Chesapeake and den Delaware Canal nach New York City. Dann weiter durch den Long Island Sound nach Newport und Martha’s Vineyard und schließlich von dort direkt hier her nach Nova Scotia. Wir haben noch Stopps in Shelburne und Lunenburg eingebaut. Gerade liegen wir Halifax in der Royal Nova Scotia Yacht Squadron Marina. Du hattest Glück mit Deinem Interview, denn wir werden in einigen Tagen Richtung Azoren aufbrechen.»

Perfekt auch für Inshore-Reviere: Dank Centerboard

Nils Schürg | BLUE YACHTING: «Ich hatte auf Euren Fotos gesehen, dass Ihr immer wieder mit meinen Kunden und Freunden von der CAPRICORN zusammen segelt. Wie kam es eigentlich zu diesem kleinen Flottillensegeln?»

Markus & Marianne | SY CASTELLA: «Ja, das stimmt! Die CAPRICORN ist eine große GARCIA, eine Exploration 52. Ralf und Britta kennen wir schon seit der Bauzeit unserer Yachten. Wir haben die Beiden vor drei Jahren in der Werft in Cherbourg kennengelernt. Deren Yacht wurde etwa zwei Monate nach unserer von Dir ausgeliefert. Sie waren uns von Beginn sympathisch und so haben wir als frischgebackene Aluyacht-Eigner eben den Kontakt gehalten.»

Schwestern: So gleich und doch so unterschiedlich ...

Marianne fügt hinzu: «Groß war die Freude, als sich so gegen Ende März unsere Wege endlich wieder einmal kreuzten. CAPRICORN kam auf ihrem Weg aus der Karibik «zu uns» in die Chesapeake Bay hochgesegelt. Zufälligerweise sahen wir sie auf Marine Traffic, Du kannst Dir vorstellen, wie wir uns gefreut haben! Und so kam es dann in Annapolis endlich wieder einmal zu einem persönlichen Treffen nach langer Zeit. Du weißt, dass wir unsere Yacht für die Werft als Ausstellungs-Schiff für die Annapolis Boat Show zur Verfügung gestellt hatten. Das war eigentlich der Grund für unsere Anwesenheit dort. Umso schöner, auch bekannte Gesichter zu treffen! Mit Britta und Ralf tauschten wir uns rege über unsere Erfahrungen aus und konnten uns gegenseitig viele Tipps geben. Es war sehr inspirierend! Und sich herausstellte, dass wir alle Halifax als Ziel hatten, segelten wir eben zusammen.»

Überwinterung in Amerika

Nils Schürg | BLUE YACHTING: «Ich finde das Interessanteste daran, dass Ihr ja nun quasi als «Schwester-Marken» direkt neben einander gesegelt sein. Unseren Blog-Lesern sind ja die baulichen Unterschiede zwischen GARCIA und ALLURES-Yachten weitgehend bekannt – was würdet Ihr sagen, woran spürt man im normalen Segel-Alltag Unterschiede und für welche Einsatzzwecke oder Segelprogramme ist welche Marke am geeignetsten?»

Markus & Marianne | SY CASTELLA: «Oha. Also, zunächst ist es so, dass es meiner Meinung nach hierzu keine einfachen Antworten gibt. Denn die einzelnen Vorstellungen, Ideen und Ansprüche eines jeden Seglers, was seine Yacht bieten soll, sind ja doch sehr unterschiedlich. Aber aus unserer Sicht würden wir sagen, dass bei der ALLURES 51.9 vor allem die Grosszügigkeit des Cockpits einfach unschlagbar ist! Andererseits ist man dafür aber auch nicht ganz so geschützt wie auf der Exploration. Auch unter Deck hat man auf der ALLURES mehr Platz, oder sagen wir, ein «luftigeres» Raumgefühl. Dagegen sorgen auf der Exploration die dickere Rumpf-Isolation und bessere Heizmöglichkeiten für mehr Komfort vor allem in sehr kalten Revieren. Außerdem kann man die GARCIA bei Schlechtwetter bequem vom Salon aus steuern und hat dabei eine gute Rundumsicht. Du siehst, es kommt immer auf das an, was man mit dem Boot machen will. Aber ganz klar: Mit beiden Yachten kann aber wirklich überall gesegelt werden!»

Check (auch des Centerboards) der Yacht, dann geht es los!

Nils Schürg | BLUE YACHTING: «Ihr habt wirklich eine Traumreise hinter Euch – und noch vieles vor Euch. Ganz kurz zu New York, immerhin Sehnsuchtsziel für eine Menge Segler: Wie war es, als Ihr vor der Freiheitsstatue vorbeigefahren seid? Kann man dort wirklich „einfach so“ den Anker werfen?»

Markus & Marianne | SY CASTELLA: «Naja, ganz so einfach ist es nicht. Aber Du hast recht, es war schon ein sehr spezieller Augenblick! Wir kamen hier sogar zusammen mit der CAPRICORN an. Obwohl es erst Anfang Mai war, gab es schon regen Verkehr in der Bucht: Vor allem auf die vielen Touristen-Fahrgastschiffe muss man aufpassen. Direkt vor der «Lady Liberty» kann man wegen der starken Strömung eher nicht ankern. Da haben wir nur ein kleines Fotoshooting  arrangiert. Geankert haben wir dann hinter der Freiheitsstatue, denn dort gibt es tatsächlich einen offiziell ausgewiesenen Ankerplatz. Man muss aber aufpassen, den das Wasser ist dort sehr flach. Aber da wir ja eine Yacht mit einem Centerboard haben, war das auch mit einem 16-Meter Schiff kein Problem! Das ist eben der Vorteil: Man kommt hin, wo andere nicht hinkommen. Vor allem in der Nacht, wenn es dann ruhig wurde, war der Ausblick auf die beleuchtete Freiheitsstatue und vor allem auf die Skyline von Manhattan dann einfach nur ein Genuss. Einfach magisch!»

Sehnsuchts-Bild so vieler Segler!

Nils Schürg | BLUE YACHTING: «Wie anders ist das Segeln vor der amerikanischen Ostküste im Vergleich zum eher gleichförmigen Passat-Downwind über den Atlantik? Ist das Wetter dort wirklich so viel unberechenbarer?»

Markus & Marianne | SY CASTELLA: «Ja und nein. Die amerikanische Ostküste ist grundsätzlich ein relativ flaches Segelrevier. Verlässt man New York über den East River kommt man in den Long Island Sound. Von dort ab ist die Küste gespickt mit vielen Untiefen und geringen Wassertiefen. Du musst Dir vorstellen, dass die 2-Meter-Tiefenline oft einige Kabellängen, manchmal sogar bis zu einer Meile weit draußen von der Küste entfernt ist! Da muss man also richtig gut aufpassen. Auch hier waren wir mit unsern Centerboard-Yachten natürlich im Vorteil! Was den Wind angeht fanden wir das Revier nicht wirklich besonders anspruchsvoll. Mit den heutigen Wettertools und guter Seemannschaft lassen sich allzu unangenehme Situationen meistens vermeiden. Allerdings kann der Nebel im Frühjahr und im Herbst recht ungemütlich sein. Eine Herausforderung sind auch die unzähligen Lobster Pots – ab Cape Cod nordwärts bis nach Kanada waren wir nonstop damit beschäftigt, diesen gefühlt abertausenden kleinen Bojen auszuweichen. Mit einer Yacht wie der ALLURES und einiger Segelerfahrung lässt sich dieses abwechslungsreiche Revier gut meistern, man muss keine Angst haben.»

Ankern "hinter" der Freiheitsstatue

Nils Schürg | BLUE YACHTING: «Nun seid Ihr in Nova Scotia – nutzt Ihr eigentlich die Schwenkkiel- und Trockenfall-Fähigkeiten Eurer Yacht? Wenn ja, wo und wie?»

Markus & Marianne | SY CASTELLA: «Wir finden, dass der Schwenkkiel ein gewaltiger Vorteil ist für eine Cruising-Yacht. Vor allem, wenn man die Größe des Bootes dazu sieht: Wir kommen einfach in Bereiche, die gleichgroßen Booten aufgrund deren Tiefgangs einfach verwehrt bleiben. Was mich irgendwie verwundert, denn selbst hier in den Gewässern von New England werden wir immer wieder von durchaus erfahrenen Seglern gefragt, wie wir es denn geschafft hätten mit unserem großen Boot, in so flachen Ankerbuchten zu liegen. Centerboard-Yachten hier sind erstaunlicherweise nicht sehr verbreitet. Was das Trockengefallen angeht, das haben wir bisher nicht gemacht, es hat sich einfach noch nicht ergeben.»

NYC: Ein magischer ort, auch für Segler

Nils Schürg | BLUE YACHTING: «Wie geht es jetzt weiter? Wie sieht Eure kommende Route aus? Wollt Ihr noch weiter nach Norden, ggf. in die Eis-Gegenden oder Grönland?»

Markus & Marianne | SY CASTELLA: «Nein, diesen Wunsch haben wir uns ja bereits 2024 mit dem Absegeln der «Viking Route» erfüllt. Das war damals unsere erste Reise ins arktische Eis, ein lang ersehntes Abenteuer! Von Frankreich aus segelten wir durch die Irische See nach Schottland, dann via Faröer Inseln nach Island, Grönland, und über die Labrador See nach Neufundland bis hier her, nach Nova Scotia. Im September dann die Küste von Maine nach New York entlang hinunter in die Chesapeake Bay ins Winterlager. So richtig tief ins Eis wollten wir mit der CASTELLA allerdings nicht. Vielleicht kommt das ja noch irgendwann. Jetzt geht es für uns erst einmal wieder zurück nach Europa. Den Winter verbringen wir in der Gegend um Barcelona verbringen: Wir wollen die Kultur Südspaniens erkunden und endlich mal «richtig» Spanisch lernen. Den Sommer 2026 werden wir uns dann gemütlich im Mittelmeer tummeln. Denn da wir in den letzten Jahren fast nur im Ölzeug unterwegs waren, freuen wir uns jetzt einmal auf einen richtig schönen ausgiebigen Badeurlaub. Denn unsere CASTELLA ist natürlich auch eine grossartige «Badeinsel», perfekt fürs Zusammensein mit Freunden und Familie. Allerdings nehmen wir auch an, dass wir die abgelegenen Segelreviere bald vermissen werden. Für Ende 2026 planen wir dann wieder eine Atlantiküberquerung. Ob wir in die Karibik oder direkt südwärts Richtung Patagonien segeln, oder eben sogar bis in die Antarktis, das lassen wir aber noch offen ...»

Bisweilen flach, aber aufregend: Segeln in den USA & Kanada

Nils Schürg | BLUE YACHTING: «Letzte Frage, Markus: Als langjährige und erfahrene Segler auf Eurer ALLURES, was würdet Ihr sagen, auf was können sich zukünftige Eigner eines solchen Schiffes freuen?»

Markus & Marianne | SY CASTELLA: «Also, Du kennst mich ja, Nils: Ich war selbst mehr als 20 Jahre im Yachthandel tätig und habe dort viele Marken und Yachten ziemlich intensiv kennengelernt. ALLURES wie auch GARCIA-Yachten zeichnen sich besonders durch ihre Robustheit und die wirklich hohe Bauqualität aus. Das natürlich auch dank des verwendeten Materials Aluminium. Aber auch die langjährige Erfahrung der Werft mit diesem Baumaterial trägt dazu bei. Wenn man sich für den Kauf einer solchen Yacht entscheidet, bekommt man wirklich etwas für sein Geld! Was die Segeleigenschaften angeht, finde ich die Möglichkeit, ausgewiesene Flachwasser-Reviere zu erkunden und geschützte Ankerplätze zu erreichen das wirklich Plus an diesem Boot. Und das verdankt man dem Centerboard. Ich finde, das ist ein unschlagbarer Vorteil gegenüber normalen Kielyachten mit festem Kiel. Und was man noch sagen kann, ist, dass man sich als Neukunde von Dir sicher und aufgehoben fühlen wird: Du hattest immer ein offenes Ohr für uns und ich denke, das gilt auch für Deine anderen Kunden. Du hilfst wo Du nur kannst und stehst auch gegenüber den Werften für Deine Kunden ein. Deine Fachkompetenz hat uns sehr geholfen, genau die passende Spezifikation und Ausrüstung für unsere CASTELLA zu bekommen. Und dann muss man sagen, dass Deine Begeisterung einfach ansteckend ist!»

Reviere, die Festkiel-Yachten eher nicht entdecken können

Marianne, Markus – habt vielen lieben Dank für diese Einblick und Eure tollen Worte. Das geht natürlich runter wie Öl.

Wenn Sie, liebe Leser, nun selbst einmal entdecken möchten, was an den Centerboard-Yachten von ALLURES und GARCIA dran ist, dann lade ich Sie ein, sich diese Boote bei uns in Bremerhaven live anzusehen und vielleicht Probe zu segeln, uns auf den kommen Messen (die nächste wäre in Cannes vom 9.-14.9.) zu treffen oder einfach per Mail oder Telefon Kontakt aufzunehmen. Ich würde mich sehr freuen, Ihnen die Welt von ALLURES und GARCIA näher zu bringen!

Crew und den Gästen an Bord von CASTELLA und CAPRICORN wünsche ich Mast und Schotbruch – habt Spaß und entdeckt die Welt!